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Das
Betriebssystem
Das
Betriebssystem ist ein Netzwerk von Untersystemen, die
verschiedene Funktionen erfüllen. Ihr Zusammenspiel
optimierend zu koordinieren ist erfahrungsgemäß nicht
einfach, gelingt aber bei stationären Anlagen wie derjenigen
im Bergfried so weitgehend, dass ein nahezu störungsfreier
Betrieb erreicht wird. Das gelingt allerdings nur, wenn man
die Verwendung historischen Spielmaterials auf zuverlässige
Komponenten beschränkt. Deren Zuverlässigkeit kann man in
vielen Fällen durch nachträgliche Ertüchtigung
sicherstellen. Die Regeln dafür sollten in einem
Betriebshandbuch beschrieben sein. Unsichere Komponenten, auch
wenn sie historisch noch so interessant sind, sollte man nicht
reaktivieren, sondern höchstens als Attrappe verwenden.
Das
Fahrstromsystem ist das wichtigste Untersystem. Die
Bergfriedanlage weist 10 Fahrstromtransformatoren auf, für
jeden Fahrkreis einen. Alle sind stufenlos regelbar und mit
Gleichrichtern gekoppelt, sodass Gleichstrom in die Fahrkreise
eingespeist wird. Dies erfolgt an vielen Stellen, sodass
Fahrspannungsabfälle so gut wie gar nicht auftreten. Die
Leistung der Trafos beträgt mindestens 50 VA. Wo es
erforderlich erscheint, sind sie sowohl netz-, als auch sekundärseitig
durch Notschalter trennbar. Im Bereich der beiden Großbahnhöfe
Ost und West, die im A-und B-Kreis liegen, ist die
Fahrstromspeisung über die Schaltung der Lichtsignale geführt,
sodass die Fahrbefehle über die Signalschalter kommen. Nur im
Westbahnhof verrichten noch zwei Original Märklin
Tageslichtsignale ihren Dienst. Bei diesen wird der Fahrstrom
mittels Magnetsteller über eine Mittelschienenbrücke
geschaltet. Im Gegensatz zu den Kreisen A und B gibt es bei
den übrigen Fahrkreisen nur wenige Signalgesteuerte
Streckenabschnitte. Die Haltestrecken und Abstellgleise werden
durch einfache EIN/AUS-Schalter gesteuert. Sie sind z.T. wie
im A/B-Kreis mit Signalen gekoppelt, wobei 2-fach Umschalter
erforderlich sind. Alle Schalt-, Stell- und Steuereinheiten
der Fahrstromkreise sind an deren Spielpulten in Gleisbildform
dargestellt.
Die
Verdrahtung des Fahrstromes ist nicht einheitlich, weil im
Verlauf des Auf- und Ausbaues ständig verbessert und
vereinfacht worden ist. Die von Anfang an für
Gleichstrombetrieb geplanten Kreise A und B sind noch,
historisch richtig, doppelt verdrahtet vom Trafo bis zu den
Einspeispunkten an den Schienenanschlüssen, wobei auch die
Original Märklin Klemmplatten Verwendung fanden. Die
Kennfarben dieser Verdrahtung sind rot-weiß. Die übrigen
Fahrstromkreise waren ursprünglich als Wechselstromkreise
geplant und auch doppelt verdrahtet mit den Kennfarben grün-schwarz.
Sehr bald wurde aber entschieden, die Masse der
Wechselstromkreise zu einer einzigen, großdimensionierten
Ringleitung zusammenzufassen, was den Verzicht einer Zuleitung
erlaubt hätte. Das wurde nicht realisiert. Wohl aber wird das
Lichtstromsystem, Kennfarbe braun und das Signalstromsystem,
Kennfarbe gelb, an die Masseringleitung des Fahrstromsystems
angeschlossen bzw. ist es bereits. Die Verwendung einer
gemeinsamen Masseleitung setzt voraus, dass alle
Transformatoren gleich gepolt sind.
Das
Lichtstromsystem versorgt weit über 100 Lichtquellen
mit Strom von 19 Volt Spannung. Dazu dienen vier
Festspannungstransformatoren mit einer Leistung von insgesamt
350 VA. Jedem ist ein Sektor von Verbrauchern zugeordnet, und
jeder Sektor ist durch Feinsicherungen abgesichert. Die
Verbraucher sind mit den Trafos direkt verdrahtet mit Ausnahme
der Lichtleitungen der Schaltsignale. Diese sind gemeinsam mit
dem Fahrstrom über die Signalschalter (2-polig 2xUM) geführt.
Die Verdrahtung ist zunächst zweipolig ausgeführt worden.
Bei der Benutzung der Masseringleitung genügt eine einfache
Verdrahtung.
Das
Weichen- und Signalstromsystem speist ein
Festspannungstransformator mit 24 Volt Sekundärspannung. Mehr
als 50 elektrisch gesteuerte und 8 von Stellmotoren
angetriebene Weichen sowie ein knappes Dutzend
elektromagnetisch gestellter Signale werden von diesem Trafo
mit Stellstrom versorgt. Für die Verdrahtung gilt das Gleiche
wie für den Lichtstromkreis. Alle Zuleitungen zu den
Verbrauchern sind über Schalt- und Stellelemente an den
Spielpulten geführt.
Das
Betriebssystem verfügt weiterhin über zwei Melde- und
Warnsysteme. Das eine dient der Kennung der
Weichenstellung von nicht einsehbaren Elektroweichen und das
andere der Freimeldung von kollisionsgefährdeten Weichenzonen,
so wie sie z.B. im Ein- und Ausfahrtbereich der beiden Großbahnhöfe
im A/B-Kreis bestehen. Beide Systeme sind über Massekontakte
gesteuert und mit Fahrstrom gespeist, hängen also an den
betreffenden Fahrstromtrafos.
Wichtige
Hilfsmittel im Betriebssystem sind Schalter und Taster.
Weil die Funktionssicherheit der Anlage ganz wesentlich von
der Zuverlässigkeit dieser Elemente abhängt, gibt es in der
Bergfriedanlage keine Schalter oder Stellelemente aus
historischer Zeit mehr, die noch Dienst tun. Die schönen Märklin-Stellwerke
sind leider nur Tischschmuck. An deren Stelle finden Schalt-
und Stellelemente aus der Elektronik Verwendung, wie sie auch
in H0-Anlagen vielfach eingesetzt sind. Sie sind bei
schonender Behandlung stabil genug, sind Platz sparend und
erlauben die Zusammenstellung zu übersichtlichen
Gleisschaubildern mit integrierten Schalt- und Stellelementen
(Abb. Gleisschaubild C-Kreis).
Ein
Wort noch zur Verbindungstechnik. Original ist die
umsponnene Leitung mit der Verbindung Stecker/Buchse im Märklinmaß
3,5 mm Durchmesser, das vom Markt verschwunden ist. Der Draht
wurde angeschraubt oder angelötet. Gruppen von Verbindungen
wurden in einer zentralen Einheit, der Verteilerplatte,
zusammengefasst. Aus vielerlei Gründen haben wir uns für die
Lüsterklemme als Verbindungselement im Leitungssystem
entschieden. Die Klemmenleiste ersetzt die Verteilerplatte.
Lediglich vor Ort beim Verbraucher wir das dort im Original
vorhandene Verbindungsprinzip nach Möglichkeit beibehalten,
sodass oben auf der Spielplatte das historische Bild erhalten
bleibt. Die Anschlüsse an die Schalter und Stellelemente sind
gelötet, die an die Transformatoren gesteckt bzw. geklemmt.
Die
Verdrahtung verläuft unter der Spielplatte. Ein
Farbcode kennzeichnet die Systemzugehörigkeit. Außerdem
bezeichnen Fahnen an den Anschlussstellen die Verbraucher. An
den Stellen, an denen Leitungen durch die Platte nach oben stoßen,
markieren unter der Platte Aufkleber den oben liegenden
Verbraucher. Dauerbelastete Leitungen sind in Klingeldraht
0,75 mm Durchmesser ausgeführt, weniger belastete, wie z.B.
Weichen und Signalleitungen, sind aus dünner Litze oder Draht
mit 0,5 mm Durchmesser. Die Masse-Ringleitung besteht aus
Kupferdraht mit 1,25 mm Durchmesser. Die Gesamtlänge des
Leitungssystems der Bergfriedanlage beträgt mehr als 1000 m.
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